Geheimtipp Groningen

Malerisch und modern: Eine Reise nach Groningen

Impression von Groningen

(djd). Die Stadt Groningen liegt nur ungefähr 35 Kilometer von der deutsch-niederländischen Grenze in der gleichnamigen Provinz entfernt. Sie ist nicht nur die nördlichste Großstadt des Nachbarlands, sondern auch die jüngste und quirligste – immerhin mehr als 50.000 der knapp 200.000 Einwohner sind Studenten.

Die zugleich malerische und moderne Innenstadt mit ihren historischen Gebäuden und vielfältigen Shoppingmöglichkeiten wurde in den vergangenen Jahren bereits zur besten der Niederlande gekürt. Dagegen bieten die teils unberührte Natur und die jahrhundertealte Kulturlandschaft der umliegenden Provinz Erholung pur. Ob zu Fuß, per Fahrrad oder per Boot – Groningen lädt zur Erkundung seiner vielen, noch unentdeckten Sehenswürdigkeiten ein.

Feiern in der größten Kneipe Europas

Am Abend blühen nicht nur die Groninger Studenten richtig auf. Sie bevölkern die vielen Restaurants, Kneipen und Diskotheken rund um den „Grote Markt„. Das „Drie Gezusters“ gilt sogar als „größte Kneipe Europas“ – mit ihrem Labyrinth von Theken und Bars, verteilt über vier Etagen. Eine Sperrstunde gibt es in Groningen nicht, in vielen Bars erklingt regelmäßig Livemusik. In einer jungen Stadt wie Groningen kann man auch außergewöhnlich übernachten. Wer nicht in einem der vielen Hotels schlafen möchte, kann in der Stadt campen oder auf Hausbooten und sogar bei Groninger Bürgern zu Hause logieren. Ein besonderer Tipp zur Stadterkundung sind die Rundgänge mit den „Groninger Lotsen„. Jeden Samstag nehmen deutsche Studenten, die in der ehemaligen Hansestadt studieren, Besucher mit auf eine 90-minütige Tour zu den schönsten Plätzen der Stadt. Treffpunkt ist jeweils um 14 Uhr am Touristenbüro, Grote Markt 29. Im Juli und August finden die Führungen auch täglich statt. Mehr Informationen unter Führungen in Groningen.

Groninger Museum: Ein Potpourri aus Farben und Formen

Ein Muss für jeden Gast ist der Besuch des Groninger Museums. Der italienische Designer und Architekt Alessandro Mendini hat es entworfen und ihm einen einzigartigen Stil verpasst. Jeder Pavillon trägt eine eigene Handschrift: Namhafte Architekten wie Coop Himmelb(l)au, Stark oder De Lucchi haben für die Gebäude jeweils andere Formen, Farben und Materialien verwendet. So bietet das Museumsgebäude die Möglichkeit, die verschiedenen Inhalte individuell und in Einklang mit der jeweiligen Außengestaltung zu präsentieren. Im futuristisch gestalteten Informationszentrum kann man an einem interaktiven Touchscreen-Tisch einen virtuellen Rundgang durch die bekanntesten Exponate des Museums unternehmen.

Ein anderes Highlight ist das Comicmuseum: Hier lässt sich die Entwicklung von den ersten Hieroglyphen bis hin zu modernen Computeranimationen nachverfolgen. In den historischen Gebäuden des Schifffahrtsmuseums aus dem 15. Jahrhundert wiederum reisen die Besucher mit den Schiffen und Kapitänen aus fernen Zeiten durch die Geschichte des niederländischen Seehandels.

Die italienischste Stadt nördlich der Alpen

Groningen wird oft als „die italienischste Stadt nördlich der Alpen“ bezeichnet: Italienische Architekten haben hier deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Im Herzen des Groninger Zentrums liegt hinter dem Rathaus der Waagstraat-Komplex. Das vom italienischen Architekten Natalini entworfene Bauwerk besteht aus drei miteinander verbundenen Gebäuden. Moderne Glas- und Stahlkonstruktionen wurden mit dem historischen Haus des Goldprüfungsamts aus dem Jahr 1635 verknüpft. Die öffentliche Bibliothek, 1992 von Giorgio Grassi erbaut, steht direkt neben dem Calmershuis aus dem 13. Jahrhundert, dem ältesten Gebäude Groningens.

Natur und Kultur pur: Reizvoller Ausflug in die Provinz

Seehunde im Watt in der Provinz Groningen

Wer aus der quirligen Großstadt Groningen einen Ausflug in die gleichnamige Provinz unternimmt, kann unberührte Wälder, malerische Seen, Watten- und durch Deichbau entstandene Polderlandschaften entdecken. Das Wattenmeer beispielsweise beherbergt nicht nur viele seltene Pflanzenarten und Seehunde, sondern ist auch Laichgebiet für Fische und Nahrungsquelle unzähliger Zugvögel. Der niederländische und deutsche Teil dieses einzigartigen Lebensraums wurde 2009 von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Wer möchte, kann neuerdings die Vielfalt des Wattengebiets und der Küstenregion auf eigene Faust erkunden. Das Projekt „Waddenwandelen“ bietet ein rund 1.200 Kilometer langes Netz aus Wanderwegen, aus dem sich Interessierte eigene Routen zusammenstellen können, inklusive einer App für das Smartphone. Alternativ nehmen erfahrene Führer Besucher mit auf eine Wanderung durchs glitschige Watt und eröffnen den Blick auf die beeindruckende Natur- und Pflanzenwelt.

Im Watt bei Groningen

Ende der 1960er Jahre verwandelte sich die Lauwerszee, damals noch eine Meeresbucht, durch Abdeichung in einen See, das Lauwersmeer. Rund um das Gewässer entstand der heutige etwa 9.000 Hektar große Nationalpark Lauwersmeer – einer der schönsten Orte der Niederlande mit Weiden, Schilfwiesen, Wäldern, Stränden und natürlich jeder Menge Wasser. Wander- und Radwege, Vogelbeobachtungsstände, Kanuten, Surfer und Freizeitkapitäne prägen das Bild des Nationalparks. Ab Lauwersoog bringt ein Schiff Besucher zur Watteninsel Schiermonnikoog, das rustikale Fischerdorf Zoutkamp ist berühmt für seinen Aal.

Borgen und Kirchen

Festung Bourtange bei Groningen

Auf eine bewegte Vergangenheit blickt die Festung Bourtange im Osten der Provinz Groningen, nahe der deutschen Grenze, zurück. Die Festung aus dem Jahr 1742 wurde behutsam wieder hergerichtet, ohne ihr das Ursprüngliche zu nehmen. Innerhalb der Festungswälle können die Besucher in historischen Läden einkaufen, in den fünf verschiedenen Museen Kultur erleben und in den Restaurants am alten Marktplatz zu Mittag oder zu Abend essen. Einmal jährlich kehrt Bourtange für zwei Tage in das Jahr 1742 zurück: bei der „Schlacht um Bourtange„, wenn die alte Festungsstadt von Hunderten Kommandanten, Kanonieren, Musketieren und Lagerwachen bevölkert wird. Dieses Jahr findet das „Spectaculum“ am 22. und 23. Juni statt.

Menkemaborg in Uithuizen

In der Groninger Provinz finden sich zahlreiche weitere Baudenkmäler. Einst gab es hier um die 200 Landsitze, die sogenannten Borgen. Davon sind 16 noch heute erhalten. Die Steinhäuser wurden im 13. und 14. Jahrhundert erbaut und dienten ursprünglich als Zufluchtsstätte bei Gefahr. Später wurden sie zu noblen Wohnhäusern für wohlhabende Niederländer umfunktioniert, geschmückt mit teils prächtigen Gärten. Einige der Schlösser, Borgen und Landhäuser können besichtigt werden, teilweise sind auch Übernachtungen in den historischen Gebäuden möglich. Die Piloersemaborg in Den Ham zum Beispiel verfügt über Gästezimmer und das dort ansässige Restaurant bietet regionale Spezialitäten an.

Die kulturelle Vergangenheit der Provinz zeigt sich auch in den unzähligen romanischen Kirchen mit ihrer schlichten Architektur, der sparsamen Einrichtung und ihren weltberühmten Orgeln. Das Projekt „Landmerken“ verbindet einige dieser Kirchen mit moderner Kunst: Die Türme dienen als Aussichtspunkt und beherbergen darüber hinaus Kunstwerke, die für Besucher zugänglich sind. Weitere Informationen gibt es unter Landmerken.

Die Warften und das Wasserparadies

Wasserweg in der Provinz Groningen

Ebenfalls sehenswert ist die Warftenlandschaft Groningens. Sie zählt zu den ältesten Kulturlandschaften Europas. Warften sind uralte, künstlich angelegte Hügel. Mehr als 1.000 Jahre lang schützten sie die Bewohner des Groninger Lehmgebiets vor den eindringenden Wassermassen. Die gesamte Provinz kann vom Wasserweg aus per Schiff, Paddelboot oder Kanu entdeckt werden. Zu Wassersportaktivitäten laden beispielsweise das Oldambtmeer, das Lauwersmeer oder das Paterswoldsemeer ein. Angelfreunde finden ihr Eldorado auf einem der vielen Seen und Kanäle der Provinz oder am Wattenmeer.

Events im Sommer und Herbst 2013

Im Juni finden bereits zum dritten Mal die Garten- und Kunsttage statt. Vom 21. bis 30. Juni können in der gesamten Provinz Garten- und Kunstliebhaber prächtige Gärten und Kunstwerke von international bekannten Künstlern besichtigen. Wer Groningen im Sommer besucht, darf Europas größtes Kulturfestival Noorderzon vom 16. bis 26. August nicht verpassen: Niederländische und internationale Künstler unterhalten mehr als 125.000 Gäste mit einem Mix aus Theater, Kunst, Musik, Tanz und Comedy. Eine Offensive auf die Geschmacksnerven bietet die „Week van de Smaak“ vom 28. September bis 6. Oktober. Die „Woche des Geschmacks“ ist ein jährlicher Event rund um das Thema gesunde und natürliche Lebensmittel. Im November steht Groningen dann eine Woche lang im Zeichen der Pressefotografie: Beim „Clear Foto Festival“ finden überall in der Stadt verschiedene Ausstellungen und Veranstaltungen statt – ein Pflichttermin für alle Fotografieliebhaber.
Alle Informationen über Groningen gibt es unter Groningen.

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