Traumreise

Von der Wunschreise zur Traumreise in Norwegen

Traumreisen mit der Eisenbahn

Welche Reise eine Traumreise war, kann man oft erst sagen, wenn man wieder zu Hause ist. Denn nicht nur das Reiseziel, sondern vor allem die Erlebnisse während einer Reise, lassen diese erst zur Traumreise werden. Eine Urlaubsreise nach Norwegen war lange Zeit ein Wunsch von mir, diese Wunschreise begann an einem Sommer-Nachmittag am Norwegenkai in Kiel auf einem Fährschiff nach Oslo.

Von Kiel nach Oslo mit dem Schiff, weiter Richtung Bergen mit der Bahn

Die Schiffsreise über die Ostsee von Kiel nach Oslo ist für sich schon ein Erlebnis. Nicht nur wegen des Komforts auf dem Schiff, sondern weil man sich gemächlich vom Alltagseinerlei entfernt und mit Muße auf das erste Ziel Oslo einlassen kann. Am nächsten Morgen habe ich nach dem Frühstück die Fahrt durch den über einhundert Kilometer langen Oslofjord bis in den Hafen von Norwegens Hauptstadt genossen. Das lag sicher auch an der ruhigen See, der Morgensonne und daran, dass ich ein schönes Plätzchen an Deck gefunden hatte. So war diese Überfahrt von Kiel nach Oslo für sich schon eine kleine Traumreise. – Impressionen als Slideshow

Mit der Bergenbahn ins Hallingdal nach Al

Outdoor Norwegen Hardangervidda

In Oslo angekommen, verschob ich eine ausführliche Erkundung der Stadt auf den Rückreise-Tag und machte mich auf den Weg zum Zentral-Bahnhof, um in die Bergenbahn einzusteigen. Die Bahnstrecke von Oslo nach Bergen ist auf der ganzen Welt bekannt, das zeigte sich bei meinen Mitreisenden, die vor allem aus Asien (Japan und China) und den USA kamen. In modernen Waggons mit komfortablen Sitzen machte sich der Zug auf die knapp 530 Kilometer lange Strecke. Sie gilt als eine der landschaftlich schönsten Bahnstrecken in Nordeuropa, was ich schon nach der ersten Hälfte bestätigen konnte, als ich im Bahnhof von Al (Km 262) ausstieg, um vor Ort einige Tage zu wohnen.

See bei Al von Rainer Buenning Kirche bei von Rainer Buenning Aurland Wiese von Rainer Buenning

Al liegt im etwa 150 Kilometer langen Hallingdal, fast genau in der Mitte der Bergenbahn zwischen Oslo und Bergen und wird norwegisch Ål geschrieben. Al ist mit seinen knapp 5.000 Einwohnern vor allem ein Wintersport-Ort, mit wunderschönen Langlauf-Strecken. Ich hatte dort das erste Mal sozusagen festen Boden in Norwegen unter den Füßen und mochte sofort die Beschaulichkeit des Ortes. Von dort unternahm ich in den folgenden Tagen Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung, zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Bus oder der Bahn.

Wenn Frösteln in Finse sich lohnt – Die Hardangervidda

An einem sonnigen Morgen fuhr ich mit dem Zug von Al aus Richtung Bergen, die Bahnstrecke stieg merklich an, draußen war zusehends eine Hochgebirgslandschaft zu sehen. Mit der Station Finse war die höchstgelegene Bahnstation in Nordeuropa (1.222 Meter über dem Meeresspiegel) – auf der Hochebene Hardangervidda – erreicht. Mitten im Hochsommer war es dort nach dem Ausstieg aus dem Zug mächtig kühl. Die Ausblicke unter anderem auf den 1876 Meter hohen Gletscher Hardangerjøkulen und den Höhenzug Sandfloeggi (1.719 Meter) haben den Ausstieg und das Frösteln gelohnt. Von Finse nahm ich den Folge-Zug Richtung Bergen, es ging bergab ins 35 Kilometer entfernte Myrdal.

Blick von Finse auf Sandfloeggi von Rainer Buenning Blick zum Sandfloeggi von Rainer Buenning Blick auf Aurlandsfjord von Rainer Buenning

Wenn man genug Zeit hat, sollte man die Strecke von Oslo nach Bergen (oder umgekehrt) unbedingt in Etappen zurück legen. Was man an wilder, schöner und zum Teil fast unverfälschter Natur sehen und spüren kann, ist teilweise atemberaubend. – Ich stieg in der Station Myrdal auf cirka 860 Meter Höhe aus, es war im Vergleich zu Finse schon merklich wärmer geworden. Das lag aber wohl auch darin, dass sich in Myrdal reichlich Menschen auf dem Bahnsteig versammelten. Denn Myrdal ist Ausgangsbahnhof für die weltberühmte Flåmsbahn, die auf zwanzig Kilometern bis Flåm die Sinne der Reisenden betört und verzaubert.

Kjosfossen_1 von Rainer Buenning Kjosfossen_2 von Rainer Buenning Kjosfossen_3 von Rainer Buenning Kjosfossen_4 von Rainer Buenning

Zwanzig Kilometer wilde und sanfte Natur, Trolle und Elfen

Die zwanzig Kilometer Strecke legte ein Nostalgie-Zug sehr gemächlich zurück, sodass die Augen Zeit hatten, die Schönheiten der mal wilden, mal sanften Natur zu entdecken und aufzunehmen. Im oberen Verlauf der Strecke von Myrdal nach Flåm überwogen die Blicke auf vom Schnee bedeckte Gipfel, Birkenwälder und auf den mit imposanten 140 Meter hohen Wasserfall Rjoandefossen, der im Lauf der etwa fünzig Minuten dauernden Reise immer wieder zu sehen war. Der Zug hielt dann direkt an einem Wasserfall, dem Kjosfossen, der mit gewaltiger Kraft und Brodeln in die Tiefe stürzte und die Reisenden in seinen Bann zog. Hier wurde Norwegen dann zum Land der Trolle und Elfen, eine Elfe tanzte anmutig auf einem Felsvorsprung.

Rjoandefossen Myrdal Flam von Rainer Buenning Blumen im Aurland von Rainer Buenning Rjoandefossen von Rainer Buenning Revsnes Anleger von Rainer Buenning

Je näher der Zug dem Ziel Flåm auf zwei Meter über dem Meeresspiegel kam, umso sanfter präsentierte sich die Natur im norwegischen Sommer. Eine alte Holzkirche, Obstgärten und weidende Ziegen auf in allen Farben blühenden Wiesen waren Kontrast zur wilden Natur mit zerklüfteten Bergen im oberen Teil der Strecke. Die Einfahrt in den Bahnhof Flåm verlief langsam beschaulich, und die Reisenden schienen mit innerer Ruhe auf den Halt des Zuges zu warten, um aussteigen zu können. Wenige Meter von der Station Flåm liegt das Pier, der Schiffsanleger am tiefblauen Aurlandsfjord, einem Seitenarm des Sognefjord. Dort angekommen war es sommerlich warm, das auch dort noch vom Golfstrom beeinflusste milde Meeresklima spürbar.

Flam Station von Rainer Buenning Flam Anleger von Rainer Buenning Ferry Flam von Rainer Buenning

Die Traumreise in der Traumreise von Myrdal nach Flåm

Ich hatte zunächst vor, von Flåm mit dem Zug wieder zurück nach Myrdal und dann nach Al zu fahren. Nachdem ich mir das Treiben, das An- und Ablegen der kleinen und großen Schiffe im Fjord angesehen hatte, fuhr ich selbst mit einem kleinen Fährschiff durch den Aurlandsfjord in den eigentlichen Sognefjord nach Revsnes – von dort dann mit dem Bus zurück ins Hallingdal nach Al. Beim Ablegen in Flåm sah ich die wunderschöne Landschaft der Uferzone am Ende des Aurlandsfjord vom Wasser aus und musste an J.R.R. Tolkien und die Geschichte seiner Hobbits im Auenland denken. Was vom Zug aus Myrdal noch für Augenblicke zu sehen war, entfaltete sich nun in friedlicher makelloser Schönheit mit den sanften Hügeln und blühenden Wiesen.

Blick nach Flam von Rainer Buenning Aurlandsfjord von Rainer Buenning Blick in Sognefjord von Rainer Buenning

Die Zugfahrt von Myrdal nach Flåm mit anschließender Fahrt per Schiff von Flåm nach Revsnes war für sich und für mich eine absolute Traumreise. Sie ließ mich meine Kamera oft vergessen, um diese Eindrücke auch erleben und nicht nur „knipsen“ zu können. Eine Traumreise, die sich in wenigen Stunden erleben lässt, wenn man früh morgens in Oslo oder Bergen startet oder in der Nähe von Myrdal im Hotel oder einer Ferienwohnung Urlaub verbringt.

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